Was du aus mir machst

Dresden

Was hast du mit mir gemacht, das frage ich mich.

Ich war für einige Stunden ein anderer Mensch, für einige Stunden hast du mich aus der Welt, in der ich gerade lebe, gerissen. Du hast mich mit einem leidenschaftlichen Kuss, über den keiner von uns beiden nachdachte, aus der Welt gerissen, in der ich nicht weiß, was morgen ist. Auch aus der Welt, in der ich unsicher, schwach und unentschieden bin, wenn es darum geht Gedanken, Selbstzweifel und Hemmungen gehen zu lassen.

Über Monate stellte ich mir vor, was passieren würde, würden wir uns küssen. In einer sternenklaren, sommerlauen Nacht, bis es passiert ist.

Wir waren betrunken, deine Küsse schmeckten nach Bier. Sie schmeckten nach Freiheit, Leidenschaft, Hemmungslosigkeit. Auch wenn es keiner dieser Momente war, in denen man das Gefühl hat, man würde vor Glückseligkeit davon segeln, in denen man glaubt, die Schmetterlinge im Bauch würden einen davon tragen, so hast du mich in eine andere Welt gerissen.

Es war eine Welt, in der du nicht von mir lassen konntest, und ich es hab geschehen lassen. Ich genoss jeden Moment, jeden deiner verlangenden Blicke, jeden deiner hemmungslosen Küsse, vor allem die, die meinen Hals trafen. Ich gab mich dir hin, ganz gleich, dass wir uns noch auf der offenen Straße unter den Blicken aller vorbeilaufender Menschen und unserer Freunde befanden, die uns belächelten. Ich genoss auch, was du mir ins Ohr flüstertest, dass du nicht genug von mir bekommen kannst, wenn du dich dann entschuldigtest, dass du zu stürmisch warst, wenn du sagtest, du wärst eine Pfeiffe. Ich grinste, wenn wir uns küssten, und langsam machte sich das Gefühl in mir breit, dass ich vor Glückseligkeit davon segeln könnte, dass mich Schmetterlinge im Bauch davon tragen würden, wenn ich nicht schwerer wäre, als Schmetterlinge tragen können.

Als ich das merkte, beendete ich es. Auch wenn du schon das x-te Mal gefragt hattest, ob wir zu dir oder zu mir gehen würden, auch wenn du deine Hände schon überall an meinem Körper hattest, auch wenn es schon fast auf einem stillen, abgelegenen Hinterhof passiert wäre, auch wenn ich nichts sehnlicher wollte, als mich von dir hinbringen zu lassen, wo auch immer du mich bringen wolltest, beendete ich es.

Was hast du mit mir gemacht, das frage ich mich.

Ich ging mit von all den Küssen betäubten Lippen nach Hause, schloss in der Bahn die Augen, ließ den kühlen Sommernachtswind über mein Gesicht und meine Haare streifen, überlegte, ob ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Kaum war ich aufgewühlter, als in dieser Nacht, kaum hatte ich turbulentere Träume als in dieser Nacht.

Ich stehe jeden Tag mit diesem Gefühl auf, dass ich Etwas verpasse, deswegen schrieb ich dir am nächsten Tag. Du antwortetest, und das Flugzeug in mir wollte wieder aufsteigen. Doch ich ließ es nicht,  stattdessen redete ich mir ein, ich würde meine Gefühle schon überholen können, dass du selbst sehen würdest, dass du Etwas verpasst, noch bevor ich mich verrenne.

Doch als ich diesen Gedanken zuende gebracht hatte, sah ich mich schon im Dickicht verloren. Warum auch sonst sollte ich diesen Text schreiben. Über dich. Schon wieder.

Was hast du mit mir gemacht, das frage ich mich.

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