Bring mir die Nacht

Pinker Sonnenuntergang

Ich liege auf der Seite, habe mich seit über einer Stunde nicht bewegt. Genau weiß ich es nicht, denn es ist dunkel und die Uhr, die ich leise ticken höre, kann ich nicht sehen. Mein rechter Arm ist eingeschlafen, eigentlich fühlt sich meine gesamte rechte Körperhälfte gelähmt an. Doch ich bewege mich keinen Zentimeter, ich denke gar nicht daran. Also liege ich weiter so da.

Ich liege so da, mit deiner Hand in meiner Hand, deinen Zehenspitzen an meinen Zehenspitzen. Das verlässliche Ticken der Uhr, die Dunkelheit und dein gleichmäßiges Atmen sollten beruhigend auf mich wirken, das oder die vielen Gläser Wein, aber ich bin viel zu aufgeregt.

Ich blicke geradeaus, und sehe nichts. Deine Umrisse kann ich nur erahnen. Ich denke an deine Augen, die mich den ganzen Abend nicht aus dem Blick ließen, wenn ich etwas erzählte, denke an deine Hände, die endlich, fast unbemerkt meinen Unterarm oder meinen Oberschenkel berührten, denke an deine Lippen, die als das Licht aus war, schließlich meine suchten. Es ist dunkel, aber nachdem ich dir heute stundenlang gegenüber gesessen habe, habe ich das Gefühl, dich im Dunkeln wiedererkennen zu können.

Jetzt hast du dich umgedreht, hast deine Hand und deine Zehenspitzen mitgenommen. Ich könnte mich jetzt umdrehen, doch ich bewege mich keinen Zentimeter, ich denke gar nicht daran. Du könntest aufwachen oder schlimmer noch, ich könnte aufwachen und feststellen, dass alles nur ein Traum war. Also liege ich weiter so da und genieße den Schmerz meiner Positur.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s